30.05.2018

Tokyo 2017 - Tag 3

Auf dem Plan für Tag 3 meiner Tokyo-Reise standen die Bezirke Harajuku und Shibuya.
Zunächst wollte ich in Harajuku einen Crepe essen, dann ein paar Läden zum Thema Sailor Moon durchstöbern und mich mit einem Kimono ausstatten.
Danach sollte es nach Shibuya zur berühmten Kreuzung gehen und Hachiko ein Besuch abgestattet werden.
Zum Tagesausklang war der Besuch einer kleinen Bäckerei geplant.

Nach einem guten Frühstück aus einer Mischung japanisch und westlich ging es zunächst ans Planen der idealen Route. Ich wollte alles sehen und möglichst wenig Zeit nur mit Fahren verbringen. Noch den Plan mit gen gewünschten Orten eingepackt und schon konnte ich los gehen.
Auf dem Weg zur Yushima Station, die in direkter Nähe des Hotels liegt, beäugte ich wieder alles neugierig und genoss die Vormittagssonne. Die etwas größere Straße, in der der Zugang zum Bahnhof liegt, hatte ich am Vortag nur in die entgegengesetzte Richtung erkundet. Erst hatte ich auch ein paar Bedenken, ob ich den Zugang zum Bahnhof schnell finde, da dort keine, wie in Berlin übliche, "Hütte" oder ein großes Schild zu dem U-Bahnhof zu sehen war. An den Gebäuden befinden sich jedoch in die Fassade eingelassene Schilder mit dem Symbol der Tokyo Metro und dem Stationsnamen.
Wer kein Japanisch lesen kann, braucht sich in Tokyo auch keine Sorgen machen, dass er die falsche Station oder den falschen Zug erwischt. Alle Ausschilderungen sind sowohl auf Japanisch als auch auf Englisch. Und sollte man sich doch mal unsicher sein, gibt es immer irgendwo nettes Personal, das einem gern versucht ist zu helfen.

In Harajuku angekommen machte ich mich auf den Weg zu Marion Crepes . Ich bin etwas blindlinks los und habe nicht genau darauf geachtet, in welcher Straße der Laden eigentlich liegt. Erst als ich sie betreten wollte, verschlug es mir die Sprache.
Die Takeshita Street ist eine sehr bekannte und vor allem beliebte Einkaufsstraße in Harajuku. Vor allem junges Publikum und ein Mix aus Einheimischen und Touristen ist dort anzufinden. Die Shops sind ebenfalls bunt gemischt und häufig auf junge Mädchen ausgerichtet.
Egal wo man hinsieht, die Straße und ihre Läden sind bunt und quirlig. Und vor allem ist die Straße voll. Wer keine großen Menschenmassen und Gedränge mag, sollte sich lieber von dieser Straße fern halten.

Nichtsdestotrotz habe ich mich hineingewagt. Ich wollte schließlich einen echten Harajuku Style Crepe essen.
Nachdem ich mich durch die Menschenmassen gedrängelt hatte, kam ich beim geplanten Laden an - Marion Crepes. Nun hieß es jedoch standhaft bleiben, denn direkt nebenan befindet sich die Crêperie Angels Heart und nur ein paar Schritte weiter das Santa Monica Crepes. Dazu hat jeder Laden zig viele verschiedene Crepes im Angebot, sodass die Auswahl wirklich schwer fällt.
Letzenendes bin ich bei Marion Crepes geblieben und habe einen einfachen Double Choco Crepe gegessen.

Nach der Stärkung sollte es weiter gehen zu einem kleinen Laden außerhalb der Takeshita Street. Doch vorher mussten erst einmal die Menschenmassen bezwungen werden.
Als ich also langsam die Takeshita Street vor mich hin kroch, wurde es plötzlich immer enger. Die Menschen kamen immer dichter und irgendwann hätte man es eher als Gruppenkuscheln statt als Laufen bezeichnen können.
An der engsten Stelle kam es mir dann auch so vor, als müsse ich selbst nicht mehr laufen und käme dennoch voran - ich wurde geschoben.
Kaum war diese Stelle passiert, löste sich der Stau regelrecht auf und die Menschen verteilten sich wieder. Ein Blick zurück verriet den Grund dieser plötzlichen Verengung. Eine Gruppe junge Leute stand an der Straßenseite vor einem Laden und blockierte so fast den halben Weg.

Raus aus der Takeshita Street hatte ich das Gefühl erst einmal wieder durchatmen zu können.
Weiter geradeaus und ein mal rechts abgebogen zu Princess one Spoon. Dieser Laden hat sich auf Accessoires und Schmuck zum Thema Märchen spezialisiert. Als ich in Tokyo war, gab es gerade auch eine Kollaboration mit Sailor Moon.
Da ich ein Fan der Serie bin und kitschige Dinge mag, ließ ich mir das Stöbern hier nicht nehmen.
Das Haus, in dem sich der Laden befindet, ist märchenhaft gestaltet. Die Fassade wird von verschiedenen Türen dekoriert und vor dem Haus steht eine Kürbiskutsche als Fotostation. Als Eingang dient ein verspieltes Tor und darüber befindet sich eine große Uhr.
Bereits am Eingang wurde ich freundlich von einem Herren auf Japanisch begrüßt und nach oben gebeten. Der erste Showroom befindet sich im zweiten Geschoss und war gefüllt mit Sailor Moon, Cinderella und Co. Im Nebenraum wird es etwas düster, denn man betritt dort den Bereich der Anti-Märchen. Der eigentliche Verkaufsraum befindet sich im ersten Geschoss. Auch hier findet man wieder viele Accessoires, Schmuck und ein paar Süßigkeiten im Märchenstil.
Wer Märchen mag und von kitschigen Accessoires nicht genug haben kann, ist hier wohl genau richtig.

Als nächstes auf der Liste stand ein eigenständiger Sailor Moon Store. Dieser ist im Laforet Harjuku angesiedelt. Also ging es dort als nächstes hin.
Das Laforet in Harajuku ist ein großes Einkaufszentrum, welches sich über 13 Etagen erstreckt, darunter auch ein paar halbe Etagen. Es beinhaltet viele unzählige Läden und deckt von Cafés über Schmuckgeschäfte bis zu Kleidung alles ab. Es sind auch die unterschiedlichsten Stile vertreten.
Zunächst bin ich zielstrebig zum Sailor Moon Store und habe mir dort alles genau angesehen. Ich habe auch ein Kartenspiel wieder erkannt, das durch eine Abo Box in meinen Besitz gelangt ist.
Als ich zum zweiten Bereich mit den Kleidern, Strickjacken und Shirts kam, wurde es für mich interessant. Es gibt ein paar sehr niedliche Stücke, die ich gern probiert hätte, jedoch musste ich mich aufgrund der Größe von diesem Gedanken verabschieden.
Nachdem ich den Sailor Moon Store durchstöbert hatte, bin ich langsam zu hinaus und zu meinem nächsten Ziel geschlendert.

Ein Kimono sollte es sein. Jedoch keine billige Imitation, die einem Morgenmantel gleicht, wie man sie meist in deutschen Läden findet. Ein Original sollte her. Doch Kimonos sind teuer und er könnte das erlaubte Pensum an Einkäufen mehr als sprengen.
Die Lösung bietet das Chicago Omotesando, das sich nur wenige Schritte und eine Ampel vom Laforet befindet. Wer keine Einwände gegen Second Hand Kleidung hat, kann hier fündig werden. Das Chicago bietet neben Kimonos auch Yukata, eine Menge Accessoires und Alltagskleidung.
Kaum hatte ich den Bereich mit den Kimonos betreten, war ich überwältigt. Es gab die unterschiedlichsten Muster und Farben. Auch war für jeden Anlass das Richtige zu finden. Und alles war gut beschriftet, um die entsprechenden Teile für den eigens zusammengestellten Kimono zu finden.
Ich wühlte mich durch alle möglichen Einzelteile und fand die Entscheidung weit schwieriger als gedacht. Bei den Unterkimonos bereits eine gefühlte Ewigkeit hängen geblieben, musste ich mich am Ende zwischen drei Kimonos entscheiden und flehte sogar Freunde zuhause an, mir zu helfen. Und sie halfen, obwohl es bei ihnen erst früh am Samstagmorgen war.
Nach einiger Zeit hatte ich mir alle Teile ausgesucht und sie kurz in der Kabine probiert. Die Mischung war bunt und blumig, doch genau so ist es meistens bei Kimonos. Ich konnte also endlich zu Kasse.

Da ich ein Tourist im großen fernen Tokyo war, konnte ich beim Bezahlen noch einmal kräftig sparen - dank Japan Tax Free.
Japan Tax Free ist ein Verbund von Shops, die es Touristen ermöglichen, bei ihnen steuerfrei einzukaufen. Ob ein Laden sich an dieser Möglichkeit beteiligt, sieht man meist direkt in den Schaufenstern oder spätestens an der Kasse. Um die genauen Bedingungen für das Tax Free Programm eines Ladens einzusehen, liegen zumeist Flyer aus oder es ist ein Schild platziert. Sollte man es jedoch nicht ganz verstehen, helfen die Angestellten einem gern weiter.
Je nach Shop gibt es auch zwei Varianten, wie die Steuererstattung praktiziert wird. Bei der ersten Variante zahlt man zunächst ganz normal den vollen Betrag. Danach geht man mit dem Kassenbon zum entsprechenden Schalter und bekommt die Steuern ausgezahlt. Die zweite Variante ist etwas unkomplizierter. Hier werden die Steuern bei der Bezahlung gar nicht erst in den Preis einberechnet.
In beiden Fällen ist es jedoch notwendig, dass man als Käufer seinen Reisepass dabei hat. Der Angestellte füllt ein Formular mit den Daten aus dem Reisepass und dem Kassenbon aus und heftet dieses dann in den Reisepass. Bei der Ausreise werden diese Formulare dann am Flughafen in eine Box oder bei einem Mitarbeiter noch vor der Passkontrolle abgegeben.
Und das war's auch schon. Ein kleiner Aufwand, um Geld zu sparen in Japan.

Nachdem ich glücklich mit meinem neuen Kimono in der Hand das Chicago Omotesando verlassen habe, bin ich noch etwas umher gestreift und habe mir dann eine öffentliche Toilette gesucht.
Allgemein ist es in Tokyo möglich, auch in Geschäften direkt nach der Toilette zu fragen. Die Mitarbeiter erklären einem dann freundlich den Weg. Bezahlen muss man für die Toiletten nirgends etwas. Ratsam ist es jedoch sich ein kleines Taschentuch und gegebenenfalls etwas Seife mitzunehmen, um die Hände waschen und abtrocknen zu können - nicht überall sind Seife und Handtrockner vorhanden.
Die von mir aufgesuchte Toilette befindet sich im Untergeschoss eines Luxuskaufhauses und bietet nur wenige Kabinen. Dennoch war die Toilette wie erwartet hochmodern, komfortabel und vor allen Dingen sauber.
Allgemein ist es überall in Tokyo sehr sauber, selbst auf den Straßen. Und das obwohl man nirgends Mülleimer oder dergleichen vorfindet. Das fiel mir immer wieder auf, während ich die Straßen entlang schlenderte.
Auf dem Weg zur Bahn habe ich mir Zeit gelassen und auf einer Fußgängerbrücke einfach mal die Aussicht genossen und den Trubel der großen Stadt unter mich hindurch fahren lassen.

Eine kurze Bahnfahrt von Harajuku entfernt befindet sich Shibuya - der nächste Halt auf meiner Liste.
Auf meinem Weg zur berühmten Shibuya Kreuzung, lief ich an einem Lindt Café vorbei und kam stark in Versuchung, es mir dort ein wenig gemütlich zu machen. Geplant hatte ich allerdings zu Starbucks zu gehen und eventuell einen der heiß begehrten Fensterplätze mit Blick auf die Kreuzung zu erhaschen. Nach einem intensiven Blick ins Lindt Café habe ich mich dann durchgerungen weiter zu laufen. Meinem Verlangen nach Lindt Schokolade werde ich dann ein ander mal nachgehen.
Vor dem Gebäude mit Starbucks entdeckte ich dann einen Musiker, der für Trinkgeld getrommelt hat. Trinkgeld an sich ist in Japan nicht geläufig, schon gar nicht in Restaurants. Umso überraschter war ich, ihn dort zu sehen.
Er fesselte jeden, der vorbei lief und einige waren bereit ein paar Münen in die Schale zu werfen. Besonders süß war ein kleiner Junge, der zur Schale lief und erst einmal wie gebannt hinein starrte. Dann grinste er breit, ließ selbst ein paar Yen hinein fallen und lief zurück zu seinen Eltern.
Danach fing der Musiker an zum Pokémon Opening zu trommeln und ich war noch begeisterter. Ich hätte noch Stunden zugucken und zuhören können, jedoch wollte ich ja noch ein paar Sachen von meiner Liste abstreichen können. Nachdem er ein weiteres Lied beendet hatte, ging ich ebenfalls zur Schale. Es gab ein gegenseitiges nettes Lächeln und ein paar Münzen meinerseits.

Im Anschluss ging ich in den Starbucks. Die Schlange war leider extrem lang, sodass ich erst einmal etwas durchs Gebäude schlenderte und mir die einzelnen Etagen anschaute. Im obersten Geschoss ist eine Bar angesiedelt und ich hoffte, dass man auch hier die Kreuzung sehen könne. Leider war dem nicht so, sodass ich wieder runter ging und mich in der Schlange anstellte.
Nachdem ich meine heiße Schokolade hatte, schaute ich nach einem Plätzchen am Fenster. Auch hier hatte ich leider keinen Erfolg. Ich stellte mich also etwas an einen Stehtresen und genoss so den Ausblick.
Eine riesige Kreuzung, bunte Reklamen und Lichter und hunderte von Menschen.


Genug dem Trubel zugeschaut, stürzte ich mich wieder hinein. Die letzten Schlucke genoss ich beim erneuten Zusehen des Musikers.
Doch dann war mein Becher leer - und nirgends ein Mülleimer in Sicht. Hier zeigte sich, dass man leicht verloren ist, wenn man nicht weiß, wo man seinen Müll entsorgen kann. Ich hielt also den Becher zunächst fest und lief mit den Menschenmassen über die Shibuya Kreuzung zu meinem nächsten Ziel.
Shibuya 109 ist ein Einkaufszentrum mit vielen Läden für Kleidung und Accessoires. Da viele davon schwärmen, wollte ich es mir ebenfalls einmal ansehen.
Kaum hatte ich das Gebäude betreten, konnte ich mich meines Mülls entledigen. Direkt im Eingangsbereich steht ein großer Mülleimer.
Danach bin ich durch die Läden geschlendert und habe hier und dort etwas gestöbert. Am interessantesten war für mich ein Schmuckgeschäft. Hier gab es vor allem Ohrringe, die mir ins Auge stachen. Leider gab es diese zumeist jedoch nur als Clips und nicht als Stecker.
In Japan ist es noch immer gängig, dass Ohrclips getragen werden, da Ohrlöcher eher ungewollt sind. Zudem gibt es häufig Regeln an Schulen und in Unternehmen, die das Tragen von Schmuck verbieten.
Beim Blick auf die Kleidung verflog leider auch schnell die erste Euphorie. So niedlich viele Sachen auch waren, so sehr hätten sie mir nicht gepasst. Der Körperbau von Japanern ist im Gegensatz zu dem von Europäern kleiner und vor allem schmaler. Kleidung zu finden, die passt, kann so zu einem Glücksspiel werden.

Ich verließ also das Shibuya 109 und ging langsam unter den beleuchteten Bäumen zum Bahnhof.
Es tummelten sich viele Leute auf dem Vorplatz und mein nächster Halt erfreut sich seit jeher großer Beliebtheit - Hachiko. Dieser Hund steht seit seinen Lebzeiten für Treue, da er stets an diesem Ort auf sein Herrchen wartete - selbst nach dessen Tod. Ihm zu Ehren wurde vor dem Bahnhof Shibuya eine Statue errichtet, welche ein sehr beliebter Treffpunkt für Verabredungen ist.
Danach wollte ich ursprünglich noch zu Shiro-Hige's Cream Puff Factory. Da es jedoch bereits weit nach 19 Uhr und der Laden bereits geschlossen hatte, fuhr ich zurück ins Hotel.
Dort genoss ich dann ein schönes Bad, wickelte mich in einen Yukata und ließ den Abend ausklingen.

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