01.02.2018

Tokyo 2017 - Tag 1

Etwas spontan entschied ich im November 2017, dass ich über Silvester nach Tokyo fliegen möchte. Direkt nach Weihnachten sollte es los gehen und sich so ein kleiner Teil eines großen Traums erfüllen.

Gesagt getan ging es los mit Flug und Hotel vergleichen und buchen. Dank einer netten Dame vom Reisebüro konnte ich auch meine beiden Wunschflüge bekommen, ohne Abstriche machen zu müssen. Da ich das Ganze jedoch recht spontan und spät gebucht habe, waren die Preise entsprechend höher. Bei früheren Buchungen lassen sich sicher einige Euro sparen.

Vor Weihnachten hieß es also Koffer packen, und zwar zwei mal.
Über die Feiertage ging es zu meiner Familie, die zwar von meinem Traum wusste, es jedoch immer bezweifelt hat, dass ich dort hin fliege - vor allem allein. Am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags hieß es dann Abschied nehmen und zurück in meine Wohnung.

Nachdem ich den Vormittag mit letzten organisatorischen Dingen verbracht hatte, ging es am Nachmittag auf zum Flughafen. Dort angekommen fing langsam die Nervosität an. Aber auch die Freude stieg und machte die Wartezeit und die zusätzlichen Kontrollen erträglich.
Dann ging es in den ersten Flieger - [27.12.2017 17:55] Tschüß Berlin!

[27.12.2017 19:45] Bonsoir Paris!
Mein Umstieg erfolgte in Paris und ich musste mir um nichts weiter Gedanken machen. Der Koffer wurde von Air France weiter zum nächsten Flugzeug befördert und ich konnte ganz gemächlich durch einen Verbindungsgang mit unausgereifter maschineller Passkontrolle zum nächsten Terminal.
In Paris hatte ich dann ein paar Stunden Zeit, die ich unter anderem mit der erfolglosen Jagd nach Pokemon und einigen YouTube Videos verbracht habe. Als kleinen Snack gab es leckere von meiner Schwester gebackene Plätzchen.

[27.12.2017 23:20] Au revoir Paris! Weiter ging es in einem deutlich größeren Flugzeug.
Der Flug selbst war recht unspektakulär. Natürlich sind 12 Stunden eine ziemliche Zeit, aber die Crew hat sich gut um alles gekümmert und man wurde mit sowohl einem Abendessen nach Wahl als auch einem Frühstück versorgt. Getränke standen in den Boardküchen jederzeit zur Verfügung und man hatte eher das Gefühl in einem riesigen Wohnzimmer zu sitzen als zu fliegen.

Dann endlich war es soweit - [28.12.2017 19:25] Konbanwa Tokyo!
Nach kurzer Orientierung und dem ersten High-Tech Toilettengang ging es zur Passkontrolle. Brav eingereiht ging es Stück für Stück voran. Lediglich ein Herr hinter mir schien es etwas eilig zu haben und drängelte sich immer wieder dicht an mich. Zu seinem Pech ging es dennoch nicht schneller voran.
Kurz vor der Kontrolle übte ein Angestellter eine kleine Vorkontrolle aus, um auf eventuell fehlende Einwanderungs- und Importformulare hinzuweisen. Er begrüßte mich als erster in Tokyo mit dem Wort "Dankeschön".
Direkt im Anschluss warteten auch schon die Koffer auf ihre Eigentümer. Nach einer kleinen zusätzlichen Kontrolle und einem etwas irritiertem Kontrolleur bezüglicher kleiner Nutella Gläser konnte ich weiter.

Am Flughafen suchte ich mir zunächst einen Bankschalter, um meine ersten Euro in Yen zu tauschen. Das Personal war sehr nett und sprach auch sehr gut Englisch. Man wird beim Wechsel auch mehrfach auf den Kurs hingewiesen und gefragt, ob dieser in Ordnung ist. Ich fand den Kurs sehr gut und war froh, erst vor Ort zu wechseln, da die Kurse in Deutschland deutlich schlechter sind.
Danach begab ich mich auf die Suche nach einer für mich passenden Daten-Sim. Ich hatte die Wahl zwischen den verschiedensten Sim Karten und Pocket Routern. Ob nun mehrere GigaByte für 7, 21 oder mehr Tage oder eine tägliche MegaByte Begrenzung bis zur Rückgabe des Geräts, für jeden ist etwas dabei. Ich entschied mich für eine GigaByte Karte mit zeitlicher Begrenzung und hätte sie auch direkt im Laden einrichten lassen können. Da es jedoch sehr viele HotSpot Punkte am Flughafen Haneda gibt und der Sim Karte eine Anleitung beilag, verzichtete ich auf diesen Service und richtete die Karte selbst noch am Flughafen ein.

Mit Google Maps und der herausgesuchten Strecke zum Hotel stand ich nun vor der ersten großen Herausforderung - dem Kauf einer IC Card für den Zugverkehr in Tokyo.
Man hat die Wahl zwischen einer Suica und einer Pasmo. Diese beiden Karten unterscheiden sich eigentlich nur in Namen und Aussehen, ihre Funktionsweise ist identisch. Die Karten können an entsprechenden Automaten, die auch ein englisches Interface bieten, gekauft und aufgeladen werden.
Befindet man sich an einem Pasmo Automaten in direkter Nähe der Keikyu Linie, helfen einem auch gern die freundlichen Damen der Touristeninformation. Diese wissen genau, welche Knöpfe sie drücken müssen, und in wenigen Augenblicken ist man stolzer Besitzer eine Pasmo IC Card.
Eine IC Card muss wie bereits erwähnt aufgeladen werden. Bei der ersten Aufladung werden 500 Yen als Kartengebühr abgezogen, der restliche Betrag landet als Guthaben auf der IC Card. Damit spart man nicht nur das ständige Ticket kaufen am Automaten, sondern auch bares Geld. IC Cards haben den Vorteil, dass auf den Yen genau abgerechnet wird. Papier Tickets werden auf die nächst vollen 10 Yen gerundet.

Ich hatte also meine IC Card. Nun musste ich mich entscheiden, welche Linie ich nehme, um zum Hotel zu kommen. Am Flughafen Haneda hat man die Wahl zwischen der Keikyu Linie und der Monorail. Ich entschied mich für die Keikyu Linie.
Um in Tokyo zu den Zügen zu gelangen, muss man zunächst durch eine Schranke gehen. Ohne gültiges Ticket ist es dort nicht möglich zum Bahnsteig zu gelangen. Dieses System gefällt mir sehr, da es beispielsweise Schwarzfahren unmöglich macht.
Am Bahnsteig der Haneda Airport International Station sieht man dann gleich eine weitere Besonderheit des Tokyoter Zugverkehrs - Sicherheitszäune. Sie verhindern ein eventuelles Fallen auf die Gleise und öffnen sich erst, wenn ein Zug eingefahren ist.

Mit der Keikyu Linie ging es dann zum Bahnhof Shimbashi. Dort musste ich die Linie wechseln und konnte ohne erneute Schranke zum anderen Bahnsteig.
Von Shimbashi nahm ich dann die Yamanote Linie in Richtung Ueno, um nach Okachimachi zu gelangen. Die Yamanote Linie ist gleichzusetzen mit der Ring Bahn in Berlin. Sie fährt sowohl gegen als auch im Uhrzeigersinn in einer Art Kreis durch die Stadt und verbindet dabei wichtige Gebiete miteinander.
Eine Station vor Okachimachi befindet sich der Bahnhof Akihabara, der sicher einigen Anime, Manga und Game Fans etwas sagt. Bis hier hin war die Fahrt recht angenehm und der Zug nicht zu voll, doch das änderte sich. In Akihabara stiegen einige Leute hinzu und man könnte denken, dass es unmöglich wäre, rechtzeitig heraus zu kommen. Die Leute vor mir waren jedoch sehr nett und sind kurz ausgestiegen und beiseite getreten, ohne, dass man sie erst bitten musste.
Danach hieß es etwa 10 Minuten laufen und einen Hügel erklimmen. Als ich endlich im Hotel ankam, war ich ziemlich erschöpft und mein einziger Gedanke war: Wie gut, dass ich mit vollem Koffer am Ende der Reise den Hügel nur runter und nicht rauf muss.

Im Hotel Edoya wurde ich bereits erwartet und freundlich begrüßt. Nach einer kurzen Einweisung bezüglich Frühstück und Sperrzeiten konnte ich auf mein Zimmer.
Ich hatte ein einfaches, traditionell japanisches Zimmer gebucht und mir vorab Fotos auf der Website des Hotels angesehen. Ich erwartete also ein Zimmer mit Futon, Tisch, TV und einem Kühlschrank, dazu ein Bad mit westlicher Toilette. Meine Erwartungen wurden auch keinesfalls enttäuscht.
Das Hotelzimmer bestand gewissermaßen aus einem Flur und drei Räumen. Im Flur befand sich der Eingansbereich mit einer Garderobe für Jacken und einer Stufe, die zum Wohnbereich des Hotelzimmers führte. Um den Wohnbereich sauber zu halten, standen Latschen bereit und ein Hinweis, dass die Schuhe im Eingangsbereich ausgezogen werden sollen. Weiterhin befanden sich im Flur ein kleiner Wäscheständer, ein Spiegel und ein Waschbereich mit Waschbecken, Ablagen, einem kleinen Spiegel und einem Föhn.
Vom Flur ab ging zunächst in ein Bad. Hier befanden sich eine Dusche, eine kleine Badewanne und diverse Utensilien wie ein Hocker und eine Schale. In Japan wird das Wasser anders reguliert als in westlichen Ländern. Warmes und kaltes Wasser haben beide ihren jeweils eigenen Regler und in manchen Fällen auch ihre eigenen Wasserhähne.
Hinter der zweiten Tür des Flurs befand sich die Toilette. Dieser Raum war sehr klein, bot jedoch genug Platz für eine Toilette mit ein paar Extras und einem zusätzlichen Paar Latschen. Es gilt in Japan als unrein mit den gleichen Latschen die Toilette aufzusuchen, mit denen man sonst den Wohnraum betritt.
Die dritte Tür führte zum Wohn- und Schlafraum. Er war größer als ich erwartet hatte und im Schlafbereich mit Tatami Matten ausgelegt. Neben, wie erwartet, einem Futon, einem Tisch, einem TV und einem Kühlschrank befanden sich dort zwei Sessel, die zu einem kleinen Sofa zusammen geschoben waren, ein Wasserkocher mit verschiedenen Tees, eine Thermoskanne mit täglich frischem Wasser und eine Tasche mit zwei Yukata. Zudem war das Zimmer sowohl mit einer Klimaanlage als auch mit einer Heizung ausgestattet.

Da es schon sehr spät war, als ich im Hotel ankam, und ich am nächsten Morgen Frühstück haben wollte, das nur bis nur bis 9:45 Uhr zur Verfügung stand, bin ich schlafen gegangen und habe den ersten Tag in Tokyo im Futon unter Fröschen ausklingen lassen.

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